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SCHREI!

dem besten Freunde gewidmet

Kapitel 1


Konnte es im Prinzip irgendwie anders sein? Manchmal stellte David diese Frage an sich, insbesondere wenn er am Steuer war, wie heute, draussen schossen die durch die Hitze verbrannte Felder, dunkelgrüne Hopfendickichte, weisse Windmühlenstangen, Waldinseln und vereinzelte, eintönige Landhäuser vorbei. Im Auto spielte leise das Radio, der Luftstrom, der sich von der Klimaanlage ausdehnte, kitzelte die Haut. Das war ganz angenehm. Bill saß daneben, hatte ein himmelblaues Fußball T-Shirt an, seine Haare kurz und zerzaust, rabenschwarzes Stirnhaar deckte fast sein linkes Auge. Nervös zuckte er mit seinem Bein, fuchtelte mit den Händen herum, somit wollte er sich helfen, dem Produzenten möglichst besser zu erklären, warum eben heute er auf keinem Fall beim Musikaufnahme anwesend sein kann. Er empfand es selbstverständlich, dass die Gründe eine und dieselbe gestern, vorgestern und heute war: er wollte sich nicht mit seinem Bruder treffen.
-Also, ging er dort, ich schwöre dir dabei, um mich zu fucksen. Ich hab` ihn gesagt: das lasse ich mir nicht bieten. So ging er. Hätte ich ihn darüber nicht gesagt, würde er selbst aus vollem Halse schreien, es sei ihm zum Kotzen....Nun erst recht hat er das gemacht! Ist es angekommen? David?!
- Ah...! Ja… Ich weiss, wie ich heisse! - sonnenverbrannter junger Mann ein bisschen mehr als dreissig, aschdunkelblond, drehte sich um und sah ihn an. Plötzlich fühlte sich Bill von seinem merkwürdigen Lächeln verwirrt, da es sich nicht in seinen hellen, fast durchsichtigen Augen widerspiegelte.
- Ist es…angekommen? –wiedeholte er diesmal unsicher.
- Mmmm,… weisst du, Bill, eine ganze Reihe von Beziehungsnuancen zwischen Tom und dir geht weit über meinen Verstand, sowie über den Verstand jeden Bewohner der Erde, -sagte David und wandte sein Gesicht wieder ab, starrte sehr aufmerksam auf den Weg, machte alles Mögliche um sich das Lachen zu verbeissen, -es lässt sich wohl dadurch erklären, dass wir kaum als Beispiel des höheren Evolutionsergebnises dienen können.
- Was? – fragte Bill misstrauisch, zuckte die Ackseln schüchtern.
- Wenn es regnet, ist es nass, -antwortete Jost mit rachsüchtiger Stimme, -kurzum ist es richtig toll!
- Ach so…, - sagte Bill enttäuscht. Ihm war es jetzt klar, dass der Ältere über ihn spottete. Er begann hin und her auf der ledernen Sitzfläche rutschen, rechts von David. Bestimmt konnte er sich nicht entscheiden. In seiner Seele massen sich zwei ganz verschiedene, aber gleichstarke Wünsche: einer von ihnen war: reden aufzuhören, so dass man versteht, er sei gekränkt. Der zweite war: alles, was mit seinem Zwillingsbruder zu tun hat, was sich in ihm ansammelte, möglichst ausfürlich zu erzählen. Für Jost wurde es ebenso klar, dass der Letzte besiegte. Er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, was in der ganzen Welt stärker, als diesen wahnsinnigen Wunsch sein konnte.
- Gestern traf er auch unsere Schulkameraden…na ja…noch unsere Freundin.., ich war so erstaunt…gleich erzähl ich dir…
- Aha…
Seitdem Bill seine Zunge durchstach, lispelte er manchmal komisch, doch brachte es ihn kaum in Verlegenheit, ganz umgekehrt, liess ihn auf sich unheimlich stolz sein. Aber was überraschte Jost am meisten, diese Tatsache wirkte auf sein Sprechtempo überhaupt nicht ein. Manchmal schien es ihm sogar, Bill begann schneller sprechen. Falls es im Prinzip möglich sein könnte. David versprach sich ehrlich seinen Monolog von Anfang bis zu Ende anzuhören, aber bald versenkte ihn seine Stimme in Trance, wie Wasserrieseln im Springbrunnen oder Vogelgesang. Er hörte auf, einzelne Worte zu unterscheiden, mahnte sich daran, von Zeit zu Zeit mit dem Kopf zu nicken. Manchmal gelang es.
- Aha…, -sagte er, Bill von der Seite ansehend. Nervös zupfte er Armbänder auf dem linken Handgelenk mit schwarzgefärbten Fingernägeln.
- David, ich hab` ihm gesagt, es geht durchaus nicht, er sollte mir vorher sagen, doch hat er…
- Aha…
- Falls er wenigstens dann schwieg…Aber nein! Er sagte, dass… -plötzlich machte Bill eine Pause, unterbrach die Phrase gleich in der Mitte.
- Aha, -sagte David.
- David…
-Was, Süsser?
- Hörst du mich zu?
David grinste, klopfte auf dem Steuer im Takt mit dem Radio, das leise im Auto spielte und warf einen faden Blick auf den Rückspiegel:
- Brauchst du das wirklich?
Bill, wie man vermutlich von ihn erwartet hatte, wurde gekränkt und schmollend drehte sich zum Fenster um, begann sofort mit den Augen zu folgen, die vorbeischossenen weißen als ob geklonnten dreieckigen Plastwindmühlen . Bill presste den Kiefer zusammen, so dass seine Zungenspitze einen Kontakt mit den Zähnen hatte, er versuchte seinen unwillkürligen Reiz zu unterdrücken, den in ihm einen spötischen, gönnerhaften Ton des am Steuer sitzenden Mannes, hervorgerufen hatte. Endlich,sich völlig bezähmt, atmete Bill lärmend aus und kitzelte nachdenklich seinen Mundwinkel mit der Zungenspitze.
-Bill…ich bitte, so etwas nicht mehr zu tun…
Bill sah David schief an, ohne den Kopf zu drehen. Ehrlich gesagt hat ihm einen bösen seltsamen Blick gegeben. Mit finsteren Augen blitzte er schnell im Halbdunkel des Salons.
-Toi, toi, toi! Sagte David fuer sich zornerfüllt, als ob er eine schwarze Katze auf dem Weg gesehen hätte.
-Ich bin am Steuer, Bill, -unerwartet für sich selbst murmelte er mit der Klagestimme, -du weisst es genau, ich kann nicht widerstehen, wenn du auf diese Weise…
-Auf welche Weise? –Bill hob seine linke Augenbraue spöttisch und zugleich fragend. Langsam beleckte er seine Unterlippe, schnalzte mit dem Metallpiercing an die Zähne und ebenso langsam, sogar gleichgueltig biss sich auf die Stange in seiner gepiersten Zunge.
-Du weisst es genau, auf WELCHE, -schnaubte David gereizt, -Wohin des Wegs, du Arschloch? –er hupte dem dunkelblauen Opel, den selbst vorher überholt hatte und der jetzt an der Rechtswendung ganz erstarrt stehend, liess ihm vor.
Er fühlte wie in seinen Schläfen warme Watte aufquoll, wie Blut in seinen Venen pulsierte und mit jedem Herzschlag den Atem beschleunigte. Er fasste den Ganghebel, als ob versuchte er Gleichgewicht zu finden.
-Wann sind wir endlich da? – Bill stiess mit dem Knie seine Hand an, spreizend seine Beine faul, -Ich hab` es satt…
-Ah, Scheisse, Bill…
-Oops,…sorry, David.
-Hast deine Haxen zu lange wachsen lassen!
-Ich hab` mich doch entschuldigt!
Während sie weiter fuhren schweigend, Bill kein Auge von ihm wandte, versuchte es aber ohne aufzufallen machen. David ergriff eine Packung Zigaretten, zog eine heraus, ohne zu sehen, langsam kramte in seiner Tasche nach dem Feuerzeug suchend, rauchte an.
-Gib mir auch! –sagte Bill streng, als ob es selbstverständlich wäre, dass David ihm auf keinen Fall absagen könnte.
-Dem bist du noch nicht gewachsen, -rachsüchtig atmete David den Dampf durch die Nase aus.
Ganz unerwartet für ihn brach Bill in lautes Gelächter aus.
-M-m-m? -erstaunt drehte sich David zu ihm um. Bill reichte seine Hand, berührte seine Wange für den Bruchteil einer Sekunde, klirrte mit den Armbänder auf dem feinen Handgelenk und prustend zog die Zigarette aus seinem Mund heraus. Machte einen Zug, rundete die Lippen komisch und atmete den Rauch in die Höhe.
-Arschloch, -David schüttelte den Kopf, sein Lächeln versteckt.
Bald kamen sie in die Stadt an. Bill stieg aus dem Auto und noch lange Zeit hüllte sich in langen Ärmel seines T-Shirts, obwohl David`s Meinung nach draussen war es unheimlich heiß. Er wartete bis David sein Auto geparkt hatte und dann nur den Türgriff erfasste, wenn er überzeugt wurde, dass David aus dem Auto gestiegen hatte. Zusammen traten sie in das Studio ein.
-HALLÖCHEN! -Tom gab seinem Bruder eine herzliche Begrüssung. Ein echtes Freudelächeln zerfloss butterschmalzig auf seinem Gesicht. Bill sah sich ihn gespannt eine Weile an, sich auf den Niednagel gebiessen, dann aber lächelte ihm plötzlich zurück. Es lag auf der Hand, alle Ansprüche werden sie einander das nächste Mal stellen, für heute hatten sie es offensichtlich satt. Doch das nächste Mal wird bestimmt auf sich nicht lange warten lassen.
-Das ist ja das reinste Irrenhaus hier! - hat David mürrische Schlüssfolgerung gemacht. Somit hat er sich plötzlich eine Person zuviel gespürt, -an die Arbeit jetzt! Marsch! –sagte er mit seiner Hand auf Bill`s Schulter liegend.
Er konnte sich schwören, dass während er in sein Kabinett auf dem ersten Stock steigte, folgte ihn ein lautes Lachen der Zwillingen.

***

Er dachte, es soll für immer sein. Vor ihm stand ein Becher mit Capuccino, Bill sass daneben auf dem Boden, seine Schulter stützte sich auf David`s Schulter, sein Oberschenkel hatte Kontakt mit David`s Oberschenkel. Manchmal stiess Bill`s Ellbogen mit David`s Rippen zusammen, weil Bill ihm etwas erzählte und dabei fuchtelte mit den Händen herum. Er wird dem Jungen sagen, er ähnelt der Windmühle. Dann wird er sich bestimmt gekränkt fühlen und wird mit David schmollen, weil er über ihn immer lacht. In Wirklichkeit lächelte David seinen Gedanken an. Lächelte und schüttelte den Kopf.
Georg ging mit einer besorgten Miene vorbei. Jost hob den Becher mit dem halberkalteten Capuccino auf und nahm einen Schluck. Er konnte sich nicht umdrehen, um zu bemerken, dass Bill das schon gemacht hat und zwar blickt ihn starr an. Gleich fragt er, ob er gut aussieht.
-Du riechst so gut. Was ist das? –fragte Bill.
David verschluckte sich Kaffee vor Überraschung.
-Rasierwasser, -David hustete sich aus.
Bill fuhr mit der Nase über seinen Hals und glattrasiertes Kinn und atmete Luft geräuschvoll mit den Nasenlöchern. Ein Schauer lief über David`s Rücken. Er wollte grade abwenden, weil diese Ausschreitung seines sozusagen Zöglings ihn in die peinlichste Verlegenheit stürzte und somit ganz pikante Empfindungen hervorrief. Er machte sogar den Mund auf, um etwas Unangenehmes zu sagen oder mit einem Scherz abzutun. Aber dann hat er mit seiner frischrasierter Haut Bill`s halbgeöffneten Lippen gespürt. Man konnte es kaum hören, doch stönte er leise bei der Ausatmung. Und David hat es bestimmt gehört. Er hat beinahe den Capuccinobecher aus zitternden Händen fallen lassen.
-Mmm,… das ist wirklich geil! -sagte Bill halbseufzend, so dass jede Silbe eine heisse Linie in seiner Leistengegend hinter sich liess. Man wusste nicht, ob er das unbewusst machte oder mit einer bestimmten Absicht, doch eins war klar, er wollte sich nicht von dieser Empfindung freimachen, obwohl von der Seite her sollte es mindestens einen zweideutigen Eindruck machen.
-Scheisse, Bill! Ich hab` dank dir meine Hosen ruiniert.
Nach dem Niederträchtigkeitsgesetz verschüttete er natürlich Kaffee auf seine hellen Hosen. Jost stand auf, Schimpwörter in den Bart murmelnd, steuerte auf den Ausgang zum Klo. Das fehlte gerade noch, den ganzen Tag diesen Fleck auf den Hosen anwesend zu haben. Er konnte es ja nicht ausstehen. Es kam ihm vor, als ob jemand auf seinen Rücken schaut, er versuchte es zu übersehen, doch dauerte dieses seltsames Gefühl fort. Er drehte sich plötzlich um, mit der Hand an den Türgriff fassend. Tom rekelte sich im Sessel und sah ihn scheel und teuflisch an. Wenn ihm klar wurde, dass Jost es bemerkt hatte, wurde er kaum verlegen, nicht einmal den Blick gesenkt. Nachdenklich griff seine Hand zur Gitarre, spielte leise ein Paar leichten Akkorde. Er blinzelte nicht, sah sich Jost weiter an. In seinen Augen war es schwieriger seine Emotionen zu erkennen, im Vergleich mit den Augen seines Bruders. Doch war die Kraft im Moment allzustark, so dass konnte man sie kaum unter Kontrolle halten. Jost hob den Daumen immer noch unfähig zu begreifen, was zugrunde zwischen ihnen entstandenen Spannung lag. Somit wollte er ihm zeigen, er spielt Gitarre gut. Zu David`s Überraschung war Tom bereit, Waffenstillstand zu schliessen. Hinter dem Lächeln hat er alle Gefühle versteckt, so dass man kaum verstehen konnte, was er im Sinn hatte. Er nickte mit dem Kopf mehrmals, als ob er sich David für das Lob bedankte. David trat ins Klo ein. Er dachte über merkwürdigen Fluida, die plötzlich so intensiv Tom zu strahlen begann. Oder, genauer gesagt, Bill. Oder doch Tom? Bill und Tom zusammen. Sie waren verschiedener Natur, betreffen zugleich ein und derselbe. Bestimmt wussten die Zwillinge, was es ist, doch fanden sie es unnötig, diese Sache mit dem älteren Kameraden zu besprechen. Obwohl es auf der Hand lag, dass David eine echte Ursache der Schwankungen in diesem Emotionaläther war. Ohne Antwort blieb doch die Frage, wie ernstlich Bill`s Absichten in Wirklichkeit waren. Jost war scharfsinnig genug, um zu verstehen, dass der Junge ihn provoziert. Er vermutete zugleich, er benimmt sich so wegen der Neigung zur Provozierung selbst. Er hat Bill schon sehr gut kennengelernt, deshalb wusste er, dieses Spiel mit seinem Produzenten schmeichelt ungewönlich seinem Ehrgeiz. Manchmal liess er sich sogar beeinflüssen, er war selbstbewusst genug um sich das zu erlauben. Er wusste doch genau, wo diese Grenze liegt, die nie zu überschritten war. Diese zweideutige Provozierung entwickelte in Bill Überlegenheitsgefühl und gleichzeitig machte ihn abhängig. Ein Spiel. Wahrscheinlich war das alles für ihn nur ein Spiel, im Gegenteil, Tom`s Einstellung dazu schien allzuserioes zu sein. Katz und Maus mit Bill zu spielen war nicht mehr kinderleicht, weil Tom die Regeln dieses Spieles total ruinieren konnte, was über kurz oder lang das ganze Spiel außer Kontrolle geraten kann. Er wusste nicht wovor er sich fürchten sollte. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er keine Ahnung, von welcher Seite einen Schlag versetzen wird. Er wollte doch diesen Schlag nicht von den beiden Seiten gleichzeitig kriegen.
Erschöpft berührte er mit seiner Stirn den Spiegel, den über dem Spülbecken hing, somit liess er dem kalten Glass seinen Kopf erkalten. Schwere Gedanken traten zum Hintergrund zurück. Das schlimmste in diesem Spiel war die Tatsache, das David selbst schon viel dazu gemacht hat, das Bill sich solcherweise benahm. Und da stand er, im glänzenden, weissgekachelten Klo, fühlte immer noch Bill`s halbgeoeffnete Lippen auf seinem Hals, spürte seinen Atem auf seiner Haut, hörte süßes Gestöhn in seinen Ohren. Plötzlich wurde es ihm höchst interessant, wie man das Zungenpiercing spüren konnte, falls er seinen Hals leckt. Und dann… was wäre, wenn er nicht seinen Hals lecken würde, sondern… Seine Phantasie ging ihm durch, er fühlte, wie schnell die Erregung sein Fleisch und sein Gehirn ergriff. Das alles führte dazu, das er sich Tausende von Reizfiguren einbildete, die ihn immer mehr ergriffen. Sein Herz pochte schneller und schneller, der Atem ging ihm aus. Er wollte diese kleine Schlampe gerade hier vergewaltigen, grob mit seinen Hosen unten, ihn dann vorne biegen, so dass sein Gesicht auf das Waschbecken stützt, hart und heftig ficken, egal, dass er jammert und stöhnt und versucht sich schwach zu wehren. Stecken in so, dass es auf keinen Fall gefallen könnte und weh tut, damit er mitbekommt, man darf es nicht dabei bewenden lassen.
-Oh, mein Gott! –rufte er aus. Das fehlte gerade noch hier zu wichsen. Welche Schande! David seufzte, liess das Wasser aus dem Wasserhahn fliessen, und lange noch hielt die Handfläche unter dem Wasserstrahl. Dann fang er sofort den Kaffeefleck auf dem Oberschenkel mit kordsandfarben bezogenen Hosen zu schmieren.
-David? –Bill`s Struwwelkopf mit dem Stirnhaar auf das linke Auge liess sich in der Eingangstür sehen.
-Hm… –sagte er mürrisch.
-Alles ok?
-Hm…
Bill schielte seine Augen unter seinem Stirnhaar.
-Wo steckst du denn? –fragte er, -Alle können schon kaum erwarten.
-Boah! Ins Klo darf ich nicht mehr gehen, ha? –seine Stimme war Gift und Galle.
-Warum eben nicht,… du darfst, - Bill kratzte sich den Kopf nachdenklich , betrat das Zimmer und schloss die Tür.
Jost überblickte ihn entrüstet und setzte seine nicht leichte Sache fort. Er machte das Wasser heisser, presste aus dem Dosator ein bisschen flüssiger Seife. Inzwischen näherte Bill ihm und stützte sich auf das Spülbecken. Er stand mit seinem Arsch weggestellt und klopfte mit dem Bein ungeduldig auf den Fliesenfussboden. Mit seinem Blick folgte der Junge David`s Hand. Frech und beharrlich. Vom Wasserhahn bis zum Oberschenkel, bespitzelte jede Bewegung auf der muskulöser Lende von oben nach unten.
-Na, wozu glotzt du doch an? –es wurde ziemlich grob gesagt, weil irgendwie anders geling es nicht.
-Was muss ich denn machen?, -sagte Bill.
Jost fluchte leise. Bill hat nicht mitbekommen, was er gerade gesagt hatte. Eigentlich war er der Meinung, dass er weit nicht alles in dieser Welt wissen wollte.
-Kann ich helfen? –statt dessen fragte er dem Mann mit samtweicher Stimme.
-Du hast schon. Mit der Kaffee, -murmelte Jost ganz freundlich. –Wobei willst du mir noch helfen?
Bill lachte kurz und tief auf. Wieder bekam David Gänsehaut.
-Und… vielleicht… irgendwelche speziellen Wünsche? –fragte er mit der Behauchung, mit der Intonation das Wort “speziellen” ausgegliedert.
-Arschloch, -sagte Jost, und Bill lachte wieder auf.
Plötzlich stiess er ihn vom Spülbecken weg, seine Hand sofort auf David`s Oberschenkel, wo sich der nasse Fleck plazierte.
-Lass mich, du verstehst es nicht zu machen.
Jost schien sogar den Mund aufzusperren. Eigentlich war er nicht imstande etwas vernünftiges zu machen, mitmachen konnte er auch nicht, deshalb blieb ihm nichts mehr, als bloss stehen und ansehen, wie man solchen Unfug treibt. Bill hockte vor ihm jäh hin, seine Knie weit gespreizt, seine Hand streichelte seinen Oberschenkel weiter, langsam ein Loch in den Hosen brennen oder schien es ihm das einfach. Pose, die der Junge eingenommen hat, war nicht weniger zweideutig, als Oralsex im Pornomovie, deshalb machte David die Augen zu, damit seine Phantasie keine zusätzliche Stimulation bekam. Er fühlte Bill`s Hand neben seiner Leistengegend glitt, während die andere seinen Oberschenkel kräftig mit langen, feinen Fingern presste. Somit fühlte er, mit jeder Bewegung konzentriert sich das Blut auf dem bestimmten Platz. Ihm war es klar, dass seine Hosen mit jeder Sekunde mehr und mehr abspreizten, er verstand, man konnte es nicht verbergen, deshalb hörte er auf sich Sorgen zu machen, liess sich einfach den Moment geniessen. Er liess seine Gedanken dorthin fliegen, wo Bill seine Hand gleich auf seine Leistengegend liegt, sein langsames, ständiges Streicheln fortsetzt, dann seine Hosen entzippt, mit feiner mädchenähnlicher Hand seinen erregten Schwanz umfasst, bringt näher zum halbgeöffneten süssen Lippen… Die Bewegung auf seinem Oberschenkel wurde plötzlich verschwunden. Vorsichtig öffnete David ein Auge. Dann das andere. Bill sah seinen aufgeblasten Schlitz ziemlich aufmerksam mit ganz unlesbarem Gesichtsausdruck. David fühlte das Blut stieg ihm unwillkürlich zu Wangen, er beleckte ausgetrocknete Lippen, fand sogar in seinem vom Flammen ergriffenen Gehirn Reste des Humorgefühls.
-Gleich sagst du wie geil sind meine Hosen? –fragte er Bill.
Bill hatte keine Zeit, um einen Antwort zu geben.
-Hallöchen! -sagte Tom, mit dem heftigen Stoss machte er die Tür auf.
-Tom, hier ist es besetzt, -sagte Bill ohne den Kopf zu drehen. Er veränderte seine Lage nicht, hörte auch nicht zu mit seiner Sache zu beschäftigen. Wahrscheinlich schien es von seinem Standpukt aus ganz normall zu sein.
-Wo zum Kuckuck muss ich dann Pipi machen? –fragte Tom gutmütig, er ging zum Pissoir, seine Hosen entzippend. Während der ganze Prozess daurte, sah er hin und wieder bald hingeholten Bill, bald David`s Hosen an.
-Hm…ah… was machen sie hier eigentlich zusammen? –fragte er.
-Schau besser was du machst, -antwortete er bissig.
-Was hab` ich dort nicht gesehen? –erwiderte Tom.
-Und was hast du hier nicht gesehen?
Jost entschied sich einzutreten, bevor es noch nicht zu spät ist. Er erzählte Tom die ganze Geschichte der Erlösung vom verdammten Kaffeefleck, dabei wurde er rot, stotterte und machte Bill`s Hände von seinen Oberschenkel weg. Doch hat er natürlich nur einen Teil der Geschichte erzählt. Er nahm Papiertuch und versuchte jetzt die Hosen ein wenig abtrocknen lassen.
-Und dann half ich ihm vom Fleck loszuwerden, -fügte Bill hinzu. David verliess das Klo, und die Prozession folgte ihm auf den Fersen. Zuest schritt Bill, dann sein Zwillingsbruder.
-Waschbärchen braves Billchen, -sprach er dem Genick seines Bruders durch die Zähne zärtlich mit halber Stimme.

Kapitel 2


Bil streckte sich auf dem Bett aus, mürriisch auf die Decke starrend. Weiße Zimmerdecke war mit einem merkwürdigen Riß durchgeschnitten, der so unglaublich der Vene auf Jost`s Hand ähnelte. Er sah sich diese Vene heute an, als sein Produzent und Mentor ihn während der Konzertprobe anschrie. Sie gingen auf diese Tour, und das schien kaum leicht für alle zu sein. Eigentlich gönnte er sich selbst sehr selten, Bill öffentlich zu erniedrigen, doch heute hat er seine Ausdauer verloren. Bill hat alles Mögliche gemacht, um sich zurückzuhalten. Er hat ihm beinahe mit dem Mikrophon direkt in die Fresse geschmeißt. Er hat das Lied bis zum Ende gesungen und stieg dann die Treppe hinab, Kehlekrankheit vorschützend.
Es scheint, nach der Pause hat Jost endlich mitbekommen, daß er den Bogen übergesponnen hatte. Er versuchte sich mit Bill in seiner eigenen Art zu versöhnen.
-Willst du `ne Tasse Tee? –fragte er, somit nahm er Platz neben ihm und stieß ihn in die Rippen.
-Nicht so sehr. Danke, -Bill sah ihn nicht einmal an. Er sah sehr gekränkt aus.
Jost kratzte nachdenklich sein borstiges Kinn und seufzte:
-Wie steht`s mit dem Kaffee?
Mit einem Blick sah ihn Bill mit Verachtung über. Seine Versöhnensbemühungen schienen vergeblich zu sein. Sie gerieten aneinander nochmals beim letzten Run-through. Diesmal sprach Bill offen seine innige Entrüstung aus. Damit meinte er, seine Manier des Informationsüberbringen sei empörend für ihn, was David seinerseits mit gekreuzten über der Brust Armen bestreiten liess. Ihm gefiel tatsächlich nichts in diesem Auftritt. Völlig unzufrieden fragte er Bill:
-Du hast wohl gedacht, es wird kinderleicht? Schlag dir das aus dem Kopf!
Man weiß nicht woran Bill dachte. Das hat er nicht gesagt. Er öffnete vom Erstaunen seinen Mund. Dann machte ihn wieder zu. Dann befahl mit eiserner Stimme:
-Jungs, los!
Und Gustav schlug mit seinen Trommelschlegeln den Rhytmus des nächsten Songs.
Schnell ging Jost zur Tür hinaus und fiel die Tür ins Schloß.
Am Abend waren sie alle todmüde. Es wurde ihnen klar, als sie das Hotel betreten haben und mit dem Fahrstuhl auf ihr Zimmer gestiegen sind. Aber Bill hat Tom kaum ein Wort gesagt. Schweigend stieß er die Tür an und kam herein. Schweigend streckte er sich auf dem Bett aus, böse, ohne seine Segeltuchschuhe auszuziehen und sich auf die Lippen beißend. Tom kam hinterher. Er sah widerlich lebensfroh aus. Sein Lächeln versteckte er im Schatten seines Mützenschirmes. Man weiß nicht, worüber er sich so sehr freute, doch konnten seine Emotionen kaum auffällig bleiben. Er blieb beim Bett stehen, mit finsterer Zufriedenheit sah er seinen Bruder im Profil stehend. Er sah ganz unzufrieden aus. Bill sah ihn demonstrativ nicht an. Noch ein paar Minuten sah sich Tom ihn an, dann schien er genug davon zu haben, er gähnte, machte seinen Mund weit auf, so dass es schien, seine Zähne knirschten, als ob er ein Tiger auf der Manege wäre und sein Zähnefletschen dem Dresseuren zeigte. Dann sprang er mit einem Sprung auf das Bett, ohne Absicht und ohne auf Bill direkt zu zielen, aber im Sprung stieß er ihn mit seinem Knie gleich in die Rippen, seinen Arm würde er beinahe gebrochen, als er neben ihm hinunterfiel.
Etwa fünfzehn Minuten lang schrien sie sich heiser, beschimpften einander, haben sich ins Gedächtnis alles zurückgerufen, woran sie sich erinnern konnten, nicht nur wegen Toms Ausschreitung, sondern auch alles was damit nichts zu tun hatte. Wie sonderbar es auch scheinen mag, unterbrach ihnen Gustav`s Gebrüll vom Nebenzimmer:
-Hört auf zu schreien, ihr Miststücke, es geht auf zwei!
Plötzlich wieherten sie darauf ganz laut und froh. Jost hatte doch recht, in osteuropäischen Gaststätten sind die Wände unglaublich dünn.
- Leute versuchen doch einzuschlafen!
-Sorry, Gusti, - schrie ihnTom mit heiser und erhobener Stimme.
Bill brach in Lachen aus, sein Gesicht ins Kissen versteckt. Tom konnte sich nicht mehr zurückhalten, er begann wieder zu lachen, Bill ansehend, bis die Tränen ihm in die Augen stiegen. Sie lagen noch lange Zeit im Bette, zu Atem kommend.
- Im Moment würde ich mir gerne `n Gläschen Weinbrand einschenken...
- Hast du was wirklich? –fragte Tom schnell zurück.
Statt aller Antwort sprang Bill vom Bett hinab und beugte sich über seine Tasche, die neben dem Bett lag. Nachdenklich kramte er dort herum, warf ein paar Jeans heraus, und nahm endlich eine große Kognakflasche. Er sah triumphiert aus.
Tom stieß einen Pfiff aus.
- Nun wer ist der Boss hier? –fragte Bill mit der Flasche in einer
Hand, die andere lag auf seiner Hüfte.
- Mein Herr! –Tom fiel auf die Knie, seine Augen in religiöser Ekstase verdrehend, -wo hast du `ne Flasche geklaut?
- Beim besoffenen Jost, -antwortete Bill.
- Gy, -lächelte Tom, -behüt ihn Gott...
Bill zog den Kork und gab die Flasche seinem Bruder.
- Wie? Grade aus `nem Hals trinken? –fragte Tom baff.
-Du kannst einfach dreinblicken! –sagte Bill Achseln zuckend und stieg das Bett hinauf.
- Ach...du...meine Güte, -atmete Tom aus, der Alkohol trieb ihm die Tränen in die Augen und tat seiner Kehle weh. Er holte den Atem und trank mit einem Zuge ein Viertel der ganzen Flasche aus. Dann gab er seinem Bruder den Kognak wieder.
Bill nahm ein paar Schlücke und zuckte zusammen.
- Pfui! Das ist `ne richtige Scheiße! –sagte er.
- Dann gib`s mir zurück, -bemerkte Tom vernünftig und versuchte die Flasche dem Jüngeren wegzunehmen.
- Leck mich am Arsch! –fuhr der Jüngere auf und warf den Kopf zurück. Diesmal trank er mehrere Zeit aus der Flasche. Dann aber nahm sie Tom wieder weg.
Bill gabelte mit einem Schuh den anderen auf, ließ die beiden auf den Boden fallen. Er streckte sich auf dem Bett, lehnte sich auf den Kissen zurück, glückselig lächelnd.
- Mir ist soooo warm, -er fuhr mit der Hand über den Bauch, er spürte wie flüssiges Feuer sich über den ganzen Körper breitete und somit erwärmte ihn so daß er kicherte, -und es kitzelt mich... irgendwie.
In bezug auf seine Worte hatte Tom plötzlich eine Schnapsidee. Dadurch beflügelt, kichernd, mit der Flasche in einer Hand, hob er Bill`s T-Shirt hoch, keine Aufmerksamkeit seinem Protest „He!“ schenkend und lag eine Handfläche auf Bill`s nackten Bauch, die andere mit dem Kognak brachte er näher zu seinen Mund und klärte:
- Pst! Sei still! Sonst kommt der böse Gustav und fickt uns beiden!
Bill brach in Gelächter aus, dem Rat zehn Minuten älteren Bruders hat er nicht gefolgt. Tom schmunzelte und im geeigneten Augenblick begann plötzlich seinen Bauch zu kitzeln. Bill versuchte sich zu wehren, wälzte sich herum und schrie aus vollem Halse. Obwohl es ihm kaum helfen konnte, manische Hartnäckigkeit seines Bruders zu brechen.
Es klopfte plötzlich an die Tür, was die Balgerei unterbrochen hat. Die Zwillinge nahmen gerade Haltung. Die beiden blieben immer noch im Bett.
Klopfen oder genauer gesagt Meißeln wiederholte sich nochmals.
Tom sprang aus dem Bett schweigend und steuerte auf die Tür zu. Bill folgte ihm. Der Ältere öffnete die Tür spaltbreit und dann streckte den hals heraus.
- Oh, Mensch, Gusti… - begrüßte er einen ungebetenen Gast ganz froh. Gustav stand vor ihm barfuß, er hatte nur einen kurzen weißen Bademantel an. Gustav war außer sich vor Wut. Seine abstehenden blonden Haare selbst strahlten Gefahr.
- Ich fick` euch beiden! – finster ansehend versprach Gustav.
- Leicht versprochen, leicht gebrochen –erwiderte Bill schnippisch auf den Zehenspitzen stehend, sein Kinn auf Tom`s Scheitel legend. Er ließ sich in der Türspalte sehen. Er lag auf Tom mit seinem ganzen Körper.
Gustav sagte “hmmm” vor Überraschung, nichtsdestoweniger machte er eine finstere Miene weiter entweder wegen des Schlaftrunkens, oder weil er bloß wictig tat.
- Halt den Mund, du Weib. Kinder, Küche, Kirche! Vergiß nicht deinen Platz, - Tom versuchte den auf seinen Rücken liegenden Bruder mit dem Bein zu puffen, somit wollte er ihn hinabstoßen, doch verspilte er diese Runde und verfehlte das Ziel und kriegte zum Lohn sogar einen Fußstups in den Arsch.
- Du bist… selbst ein Weib, -sagte Bill, -vermutlich.. bin ich noch ein Mädchen! Halt`s Maul, Gust! Willst du einen kippen?
- Und ob! –vor Überraschung blieb der blonde korpulente Junge ratlos stehen.
Zwillinge sprangen sofort zurück, die Tür aufreißend. Gustav betrat das Zimmer.
- Man muß auch Georg kommen lassen, sonst fühlt er sich gekränkt.
- Moment, -sagte Bill und grief nach Telefon, -welche Nummer? Drei, fünf, zwo? Ja... stimmt`s. Moin, Georg. Was? Es is` schon Nacht? Ja-ja, ich lieb` dich auch, Georg. Georg, hör auf zu knurren. Hör auf, hab` ich gesagt! Hol seinen dicken Arsch aus dem Bett und komm ins unser Zimmer. Fusel ham wir. Nee, keine Mädchen. Aber Gusti trägt den Bademantel. Ja, mehr nichts. Keine Unterwäsche. Ja. Weßt du er sieht in Mini einfach geil aus. Schhhhheiße, ich seufze nich erotisch... Gustav versucht mich zu erwürgen. Gleich kommst du um ihm zu helfen? Ok, ich wart` schon!
Georg kam zum Vorschein, wie eine Fee, in einem Augenblick. Er hatte ein Schädel-T-Shirt, bunte Unterhosen und Sneakers mit zerknitterten Hackenledern und keine Socken an. In jeder Hand hatte er eine Flasche Sekt.
- Stibitzte bei gestriger Pressekonferenz –antwortete er stolz aussehend auf die unausgesprochene Frage der drei Jungs.
- Aber hallo, -Tom pfiff sogar vor Überraschung.
- Wie hat es dir gelungen, sie unauffälig hinauszutragen? –fragte Gustav mißtrauisch, seine Augenbraue hochgehoben.
- In den Hosen, -grinste Georg. Bill und Tom brachen in lautes Gelächter aus, - also, Jungs, dafür muß man einen heben!
Oh, ja, damals haben sie einen getrunken. Und wie! Bis sie alle total besoffen waren und zusammen in einem Hotelzimmer eingeschlafen. Tom schlief mit seinem Kopf auf der Sesselarmlehne. Er schnaufte. Seine Beine hat er so gespreizt, dass sein linkes Bein von der anderen Armlehne hinabhing, sein rechtes Bein inzwischen auf dem Glastisch lag. Gustav schlief auf dem Boden, sich ganz in Bademantel eingehüllt, sein Kopf auf den Koffer liegend. Bill und Georg schliefen auf dem Bett, Georg hat dabei sene Hand auf Bill`s Bauch gelegt, genauer gesagt hat er ihn zärtlich umarmt, sein Kopf in Bill`s Schulter gesteckt. Etwa um 1 Uhr wurde dieses rührendes Idyll von Jost zerstört. Er war außer sich vor Wut, sein Gesicht blaß und verzerrt. Der Portier, den die Leibwächter herangeschleppt haben, half ihm, die Tür endlich auf zu machen. Er versuchte bis jetzt betrunkenen Bill zu schütteln und somit ihn aus Georg`s Armen heraus zu reißen.
- Steh auf, du Miststück und bring dich in Ordnung, heute haben wir ein Konzert... – zischte David. Bill wehrte sich und brummte, ihm sei es scheißegal und außerdem richtig übel.
- Falls du jetzt nicht aufstehst, ich gebe mein Ehrenwort, du wirst es bedauern!
- Leck mich am Arsch, -sagte Bill plötzlich deutlich mit fester Stimme, sodass Tom, der bereits aufgewacht war, fiel beinahe auf den Fußboden, da er kaum den Platz erkennen konnte.
Jost errötete von Kopf bis Fuß, Tom wollte diese Chance ausnutzen und versuchte näher zu kriechen, um wenigstens sein Leben und das Leben seines Bruders möglichst teuer zu verkaufen, falls es unmöglich sei die beiden zu retten. Doch stießen die Leibwächter ihn sofort weg. Der wütende Jost stürzte Bill vom Bett herunter und schleppte ihn ins Badezimmer. Inzwischen wurde ihm klar, der Junge sei nicht imstande selbstständig aufrecht zu stehen. Seine Wut verdreifachte seine Kraft, und er nahm ihn auf den Arm, als ob Bill federleicht wäre. Gustav rieb sich die Augen, als ob er nicht mitbekommen hat, woher der Wind weht und ob er träumt oder nicht. Man konnte deutlich den Wasserstrom, Plätschergeräusch, David`s Schimpfwörter und Bill`s leises Miauen hören. Manchmal fielen auch verschiedene Fläschen auf den Boden und Gott weiß was noch.
Als sie Jost`s heiser Geschrei erkannt haben:
- Du Schlampe!!! Lass den Vorhang looooos!!! – haben die Jungs `nen Blick gewechselt, weil sie genau wußten, was danach kommt. Sofort fiel mit Höllenlärm der Querbalken auf den Fliesenboden.
Ihr Leibwachechef, ein großer, korpulenter Mann, der eine Brille aufhatte, wies dem Portier die Tür. Im Vergleich mit dem Leibwächter schien er winzig zu sein. Hintereinander verließen das Zimmer auch Jost`s Leibwächter. Das Gepolter dauerte noch eine Weile.
- SCHEIßKALTES WASSER! –schrie Bill aus vollem Halse, -ICH HAB `NE HY-DRO-PHO-BI-E!!!
Jost`s Antwort haben sie eigentlich nicht mitbekommen. Sonst sollten sie allzuviel über die Herkunft seiner Wörter nachdenken.
Jedoch einige Zeit später wurde alles wieder still.
- Hat er ihn doch getötet? –fragte Gustav vorsichtig.
Tom popelte nachdenklich eine Weile und sagte:
- Höchstwahrscheinlich.
- Meine Güte, –sagte Georg und kratzte sein Knie.
Bald öffnete sich die Badetür. Das Zimmer betrat ein völlig durchnäßter Jost. Sein Anorak, seine Haare, sein Hemd –alles war tropfnass. Wasseströme floßen seinen Körper ab. Sein Gesicht blieb vor Wut verzerrt, sodass die Jungs sprangen plötzlich, ihn ansehend: sicher ist sicher. Übrigens bedauerte Tom das gemacht zu haben, denn diese Übung rief eine echte Revolution in seinem Magen hervor.
- Na, -David ließ den Blick über die drei Jungs schweifen, -wem noch ist übel hier?
- Niemandem, -Tom wurde käsig und betete zu Gott, daß Jost sofort weg geht.
In der Türschwelle trat Bill seinem Bruder unter die Augen. Er war rosig gefärbt und frisch genug. Er schwankte, konnte aber wenigstens selbst gehen. Wer weiß warum seine Schwankungen riefen einen richtigen Umsturz in Tom`s Magen. Plötzlich schob er Jost beiseite, stieß Bill zurück und stürzte sich stürmisch in zerschmettertes Badezimmer.
Sie haben Konzert doch gespielt. Sie hatten keine Ahnung wie, aber sie haben Fotos gesehen, höchstwahrscheinlich waren sie dort anwesend. Niemand konnte sich daran erinnern, wie sie damals standgehalten haben. Bill schlief sofort in einem Mini-Van ein, auf dem Weg nach Hotel. Er ließ seine Nase zutraulich in Jost`s Schulter stecken. Vorsichtig zog Jost zuerst einen Ärmel aus, dann den anderen, befreite somit die beiden Hände, Bill`s Kopf stützend. Dann bedeckte er ihn völlig mit seiner Jacke und drückte fester an seine Brust mit beiden Händen, als er überzeugt wurde, daß niemand zuschaut.

Ankhesenpaaten Ra ©
Übersetzung: Raymond_Lauser